{"id":621,"date":"2025-10-31T09:39:59","date_gmt":"2025-10-31T09:39:59","guid":{"rendered":"https:\/\/paukert.ch\/new\/?p=621"},"modified":"2026-03-19T10:49:47","modified_gmt":"2026-03-19T10:49:47","slug":"xmas-auslaender","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/paukert.ch\/new\/2025\/10\/31\/xmas-auslaender\/","title":{"rendered":"xmas Ausl\u00e4nder"},"content":{"rendered":"\n<p>Es war einmal, etwa drei Tage vor Weihnachten, sp\u00e4t abends. \u00dcber dem Marktplatz der kleinen Stadt kamen ein paar M\u00e4nner gezogen. Sie blieben an der Kirche stehen und spr\u00fchten auf die mauer die Worte &#8222;Ausl\u00e4nder raus&#8220; und &#8222;Die Schweiz den Schweizern&#8220;. Steine flogen in das Fenster des t\u00fcrkischen Ladens gegen\u00fcber der Kirche. Dann zog die Horde ab. Gespenstische Ruhe. Die Gardinen an den Fenstern der B\u00fcrgerh\u00e4user waren schnell wieder zugefallen. Niemand hatte etwas -gesehen.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"518\" src=\"https:\/\/paukert.ch\/new\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/xmas9-1024x518.webp\" alt=\"\" class=\"wp-image-624\" srcset=\"https:\/\/paukert.ch\/new\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/xmas9-1024x518.webp 1024w, https:\/\/paukert.ch\/new\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/xmas9-300x152.webp 300w, https:\/\/paukert.ch\/new\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/xmas9-768x388.webp 768w, https:\/\/paukert.ch\/new\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/xmas9.webp 1440w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p>&#8222;Los kommt, wir gehen.&#8220; &#8222;Wo denkst Du hin! Was sollen wir denn da unten im S\u00fcden?&#8220; &#8222;Da unten? Da ist doch immerhin unsere Heimat. Hier wird es schlimmer. Wir tun, was an der Wand steht: &#8222;Ausl\u00e4nder raus&#8220;!&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>Tats\u00e4chlich: Mitten in der Nacht kam Bewegung in die kleine Stadt. Die T\u00fcren der Gesch\u00e4fte sprangen auf. Zuerst kamen die Kakaop\u00e4ckchen, die Schokoladen und Pralinen in ihrer Weihnachtsverkleidung. Sie wollten nach Ghana und Westafrika, denn da waren sie zu Hause. Dann der Kaffee, palettenweise, der Schweizer Lieblingsgetr\u00e4nk: Uganda, Kenia und Lateinamerika waren seine Heimat.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"1024\" src=\"https:\/\/paukert.ch\/new\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/nikolaus4.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-2366\" srcset=\"https:\/\/paukert.ch\/new\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/nikolaus4.jpg 1024w, https:\/\/paukert.ch\/new\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/nikolaus4-300x300.jpg 300w, https:\/\/paukert.ch\/new\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/nikolaus4-150x150.jpg 150w, https:\/\/paukert.ch\/new\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/nikolaus4-768x768.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p>Ananas und Bananen r\u00e4umten ihre Kisten, auch die Trauben und Erdbeeren aus S\u00fcdafrika. Fast alle Weihnachtsleckereien brachen auf. Pfeffern\u00fcsse, Spekulatius und Zimtsterne, die Gew\u00fcrze aus ihrem Inneren zog es nach Indien. Der Nidwaldner Christstollen z\u00f6gerte. Man sah Tr\u00e4nen in seinen Rosinenaugen, als er zugab: Mischlingen wie mir geht\u00b4s besonders an den Kragen. Mit ihm kamen das St. Galler Marzipan und der Luzerner Lebkuchen.<\/p>\n\n\n\n<p>Nicht Qualit\u00e4t, nur Herkunft z\u00e4hlte jetzt. Es war schon in der Morgend\u00e4mmerung, als die Schnittblumen nach Kolumbien aufbrachen und die Pelzm\u00e4ntel mit Gold und Edelsteinen in teuren Chartermaschinen in alle Welt starteten. Der Verkehr brach an diesem Tag zusammen &#8230; Lange Schlangen japanischer Autos, vollgestopft mit Optik und Unterhaltungselektronik, krochen gen Osten. Am Himmel sah man die Weihnachtsg\u00e4nse nach Polen fliegen, auf ihrer Bahn gefolgt von den Seidenhemden und den Teppichen des fernen Asiens.<\/p>\n\n\n\n<p>Mit Krachen l\u00f6sten sich die tropischen H\u00f6lzer aus den Fensterrahmen und schwirrten ins Amazonasbecken. Man musste sich vorsehen, um nicht auszurutschen, denn von \u00fcberall her quoll \u00d6l und Benzin hervor, floss in Rinnsalen und B\u00e4chen zusammen in Richtung Naher Osten. Aber man hatte ja Vorsorge getroffen.<\/p>\n\n\n\n<p>Stolz holten die deutschen Autofirmen ihre Krisenpl\u00e4ne aus den Schubladen: Der Holzvergaser war ganz neu aufgelegt worden. Wozu ausl\u00e4ndisches \u00d6l?! &#8211; Aber die VW\u00b4s und BMW\u00b4s begannen sich aufzul\u00f6sen in ihre Einzelteile, das Aluminium wanderte nach Jamaika, das Kupfer nach Somalia, ein Drittel der Eisenteile nach Brasilien, der Naturkautschuk nach Zaire. Und die Stra\u00dfendecke hatte mit dem ausl\u00e4ndischen Asphalt auch immer ein besseres Bild abgegeben als heute.<\/p>\n\n\n\n<p>Nach drei Tagen war der Spuk vorbei, der Auszug geschafft, gerade rechtzeitig zum Weihnachtsfest. Nichts Ausl\u00e4ndisches war mehr im Land. Aber Tannenb\u00e4ume gab es noch, auch \u00c4pfel und N\u00fcsse. Und die &#8222;Stille Nacht&#8220; durfte gesungen werden &#8211; Allerdings nur mit Extragenehmigung, das Lied kam immerhin aus \u00d6sterreich.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es war einmal, etwa drei Tage vor Weihnachten, sp\u00e4t abends. \u00dcber dem Marktplatz der kleinen Stadt kamen ein paar M\u00e4nner gezogen. Sie blieben an der Kirche stehen und spr\u00fchten auf die mauer die Worte &#8222;Ausl\u00e4nder raus&#8220; und &#8222;Die Schweiz den Schweizern&#8220;. Steine flogen in das Fenster des t\u00fcrkischen Ladens gegen\u00fcber der Kirche. 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